die Öffentlich-Rechtlichen und der Bildungsauftrag
Bereits 2001 behauptete Gert Scobel in seinem Kommentar „Fernsehen für Idioten“ in der Zeitung „ Die Zeit“, dass das deutsche Fernsehen zu wenig Bildung bietet und gerade die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ihrem Bildungsauftrag nicht nachkommen. Er vergleicht das Fernsehen sogar mit einer Waschmaschine. Doch steht es um das deutsche Fernsehen wirklich so schlimm?
Inzwischen hat die ARD reagiert, so könnte man meinen und hat mit „Das Quiz mir Jörg Pilawa“, ganz wie im Text angeraten, ebenfalls eine entsprechende Multiple Choice Quizsendung ins Programm aufgenommen. Allerdings läuft diese Show an einem weit aus weniger prominenten Sendeplatz. Nämlich um 19:20 Uhr, also zu einer Zeit wo viele Berufstätige noch arbeiten oder gerade erst nach Hause kommen.
Ein ähnliches Phänomen kann man bei den Sendezeiten der Tagesschau beobachten. Zwar ist es lobenswert das die ARD die Tagesschau gleich sechs mal am Tag sendet, diese Anzahl wird jedoch dadurch entwertet das die Nachrichtensendung nur tagsüber, nicht jedoch zur besten Sendezeit, also nach 20:15 Uhr gesendet wird.
Auch andere Bildungsprogramme der öffentlich rechtlichen leiden unter einer unpopulären Platzierung im Programm der ARD. So hat der ehemalige Programmdirektor der ARD Günther Struve beispielsweise jegliche Politmagazine im ARD Programm bereits 2005 auf eine halbe Stunde heruntergestutzt, andere sind komplett aus dem Programm genommen worden oder werden zu unmöglichen Sendezeiten ausgestrahlt. So läuft beispielsweise die Politshow „Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich“ erst um Mitternacht, eine Zeit zu der viele bereits schlafen.
Doch die öffentlich-rechtlichen sind an den Rundfunkstaatsvertrag gebunden und müssen versuchen ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden, dies versuchen sie mit Themensendern wie „ARD extra“ als Politik und Wirtschaftssender, „ARD plus“ als Verbrauchersender oder auch „ZDF Doku“. Der Haken an der Sache ist das nur die wenigsten diese Sender überhaupt kennen, da kaum eine Fernsehzeitung diese in ihr Programm aufgenommen hat, zudem findet die automatische Sendersuchfunktion der meisten Fernseher diese Sender nicht. Somit kommen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dem Bildungsauftrag nicht nach. Auch wenn sie technisch gesehen ein entsprechendes Angebot zur Verfügung stellen.
Doch Günther Struve, der bereits erwähnte ehemalige Programmdirektor der ARD, brachte nicht nur eine Kürzung der Politik und Wirtschaftsmagazine durch, er wollte es besser machen als seine Vorgänger und ein Mehrheitsfernsehen gestalten.
Mit Telenovelas wie „Sturm der Liebe“, „verbotene Liebe“, „in aller Freundschaft“ und Kriminalserien wie „die Anwälte“ bietet die ARD auch dem jungen Publikum etwas und ist inzwischen zum Marktführer geworden. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Zwar bietet die ARD mit diesen Programmen Unterhaltung, jedoch ist sie damit bei weitem nicht der Sender für alle Zielgruppen. Die meisten der genannten Telenovelas wurden ursprünglich für die privaten Sender produziert und nach kurzem wegen zu geringer Quoten abgesetzt, gleiches gilt auch für die die Serie „die Anwälte“ die letztes Jahr noch auf RTL lief und dort abgesetzt wurde. Diese Serien hat die ARD gekauft um damit auch ein jüngeres Publikum zu erreichen. Doch wenn das junge Publikum diese Serien bei den privaten abgelehnt hat, warum sollte es sie dann jetzt auf einem anderen Sender gucken, den sie in der Fernsehzeitschrift vermutlich meist sogar überlesen? Und auch wenn die ARD Marktführer ist kann sie ihrem Motto als „Mehrheitsfernsehen“ nicht getreu werden. Schließlich fehlt ihnen gerade die für Werbung interessante Zielgruppe der 14-49jährigen. Lediglich die ganz jungen schauen am Wochenende das Vormittagsprogramm. Der Rest des Programms ist sowohl bei der ARD als auch bei ZDF auf das ältere Publikum ausgelegt. Denn keiner kann mir erzählen das Jugendliche Filme wie „Herzdamen“, „Familie Dr. Kleist“ oder „Rosa Rot“ gucken, die selbst in sehr unkritischen Internet-Fernsehprogrammzeitschriften lediglich 2 von 5 Sternen bekommen.
In der Addition aller Punkte dieser Argumentation, die im Endeffekt zwar etwas ARD lastig geworden ist, jedoch genauso auf das ZDF anwendbar wäre, komme ich für mich zu dem Schluss das öffentlich-rechtlichen zwar in manchen Punkten durchaus, wenn auch nicht mit aller Kraft versuchen ihrem Bildungsauftrag nachzukommen, diesen jedoch nicht erfüllen können. Besonders der Versuch als absolutes Mehrheitsfernsehen durch zugehen und jede Zuschauergruppe unter einen Hut zu bekommen, lässt gerade die ARD im Bezug auf die Erfüllung des Bildungsauftrags schlecht aussehen..

